Grußwort des Bezirksbundesmeisters

Bruderschaft – Glauben und Vertrauen

Warum der Schützenkönig ein echter Superstar sein kann!

Seit Jahren schon sucht Deutschland den „Superstar“ – immer wieder. Nach fragwürdigen Kriterien wird ein Supertalent ausgemacht, dessen Kurzzeit-Ruhm zumeist nach ein paar Wochen bereits wieder verglüht ist ...

Warum? Die Kandidaten haben gar keine echte Chance, sich zu entwickeln und sich durch beständige Leistung zu beweisen. Denn Beständigkeit scheint in der Spaßgesellschaft nicht gefragt zu sein. Angesichts der Krise macht sich Ernüchterung breit. Schon beschwören alle – die Politik vorne weg – immer lauter eine „Nachhaltigkeit“. Das macht deutlich, dass der Mensch sich letztlich immer nach Sicherheit und Geborgenheit sehnt - und verlässliche Werte braucht, die sein Handeln bestimmen und das Leben berechenbarer machen.

Tradition und Brauchtum können solche festen Größen sein, die ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit vermitteln. Glaube, Sitte und Heimat sind Vertrauen erweckende Wegweiser, feste Fleisch-Einlage in einem ansonsten eher geschmacksneutralen Eintopf zeitgeistiger Beliebigkeiten. Im selben Maße, in dem Institutionen (wie beispielsweise die Kirchen) ihre Traditionen abbauen, um moderner und damit „attraktiver“ zu wirken, verlieren sie an Zulauf und haben ein Nachwuchsproblem.

Traditionsbewusste Vereinigungen dagegen haben durchaus Zukunft. Nicht, weil sie ewig gestrig sind - sondern, im Gegenteil - in der Gegenwart standhaft. Auch sie sind dem Gesetz des Wandels unterworfen. Dieses aber ist für sie nicht Selbstzweck. Es wird entwickelt auf der soliden Basis Jahrhunderte alter Erfahrung und Gewissheiten, da, wo es um die Pflege der Gemeinschaft geht.

Brauchtum ist also nicht starr, wenn auch die Regeln des Miteinanders aus der Geschichte überliefert sind. Diese lehrt eben auch, dass alles, was erstarrt ist, über kurz oder lang zerbricht.

Die lange Historie des Brauchtums spricht – insbesondere im traditionsreichen Korschenbroich - ein deutliches Urteil über seine Unzerbrechlichkeit. Sie ist also Beleg für die Flexibilität in der Standhaftigkeit. Das Flüchtige hat keine Zukunft - es läuft vor ihr davon!

Brauchtum entwickelt sich mit den Bedürfnissen und Sichtweisen der Menschen. Trachten und Traditionen stehen dabei für ein (auch äußerliches) Bekenntnis zur starken Gemeinschaft.

Kernbegriffe des Miteinanders sind „Freunde“ und „Freude“. Solange es Spaß macht, mitzumachen, solange es Freunde gibt, die zusammenstehen, hat Brauchtum Bedeutung - über das fröhliche Feiern hinaus. Diese Art des zwischenmenschlichen Erlebnisses stärkt nämlich zugleich die Fähigkeit zu sozialem Handeln - nicht nur Brüdern und Schwestern gegenüber.

Wohlverstandenes Brauchtum erübrigt sich mitnichten in ritualisiertem Eingeborenen-Verhalten, sondern geht weit darüber hinaus! Aus der Sicherheit des Bodenständigen (Heimat), aus der Festigkeit der Überzeugung (Glaube) - entsteht die Befähigung und Verpflichtung zum sittlichen Handeln. Und: Nie war es so wertvoll wie heute!

Denn der Bedarf an Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit ist durchaus auch ein Bedarf an Glauben. Leider fehlt es zumeist an überzeugenden Missionaren - innerhalb und außerhalb des umfriedeten Gemeindegeländes. Eine Aufgabe, nicht nur für professionelle Seelsorger – sondern für alle, die die stärkende Kraft des Glaubens spüren, sie teilen wollen und den Mut haben, sich zu ihrer Überzeugung zu bekennen – zum christlichen Selbstverständnis, zum bruderschaftlichen Miteinander. Vor allem aber zu „Jesus Christ Superstar“, der seine Beständigkeit nicht mehr beweisen muss.

In diesem Sinne wünsche ich den 38 Bruderschaften und Schützenvereine der Region glaubwürdige Majestäten, die sich – wie ihre Vorgänger in sechs Jahrhunderten - in den brüderlichen Dienst stellen. Die Würde und Bürde des Amtes kann tragen, wer sich als „1. Bruder“ versteht. Er kann sogar zum echten Superstar werden, wenn er nach dem Vorbild der heiligen drei Könige bereit und in der Lage ist, mit vollem Herzen zu geben: Nicht Weihrauch, Gold und Myrrhe, sondern Freude, Freundschaft, Gemeinschaft.

Möge dem Bruderschaftswesen die jugendliche Kraft gegeben sein, das Werben für Glaube, Sitte und Heimat auch weiterhin als Auftrag anzunehmen und glaubhaft vorzuleben.

Horst Thoren

Bundesmeister des Bezirksverbandes Mönchengladbach, Rheydt, Korschenbroich